„Off-site Monitoring“, Remote Monitoring und Zentralisiertes Monitoring als Alternative zum Vor-Ort-Monitoring Klinischer Prüfungen in Zeiten der COVID-19 Pandemie und was wir daraus für die Zukunft lernen können

Zunächst einmal möchte ich kurz die verschiedenen Möglichkeiten des Monitorings Klinischer Prüfungen beleuchten:

1. Vor-Ort-Monitoring

          Der Klinische Monitor fährt regelmäßig an das Prüfzentrum und gleicht vor Ort die Patientenakte mit den Einträgen im eCRF ab, trainiert das Klinische Studienpersonal und überprüft die                  Lagerung der Studienmedikation und kann sich vor Ort ein umfangreiches Bild darüber machen, ob die Patientensicherheit und die Datenqualität gewährleistet werden können.

2. „Off-site Monitoring

In der Version 3 der „Guidance on the Management of Clinical Trials during the COVID-19 (Corona-Pandemic)” vom 28. April 2020 beschreibt die EMA das „Off-site-Monitoring“ in der Form von Telefonaten, Videokonferenzen, Emails und anderen Methoden, um den Status der Studie mit dem Zentrumspersonal zu besprechen oder auch Trainings des Zentrumspersonals durchzuführen.

3. Remote Monitoring

Bisher wurde unter dem Remote Monitoring die Durchsicht von Daten, außerhalb des Prüfzentrums und elektronisch zur Verfügung stehen, verstanden. Da die wenigsten Prüfzentren außerhalb der USA die Möglichkeit bieten, dass die elektronische Patientenakte von außen eingesehen werden kann, bleibt nur die Durchsicht des eCRFs und das auch nur, wenn das Zentrum die Daten (zeitnah) eingetragen hat. Zusätzlich können evtl. auch noch die Daten im IRT, in elektronischen Patiententagebüchern, Berichte der Zentrallabore etc. eingesehen werden. Ein Quelldatenabgleich der Patientenakte kann aber in der Regel nicht durchgeführt werden. Der Kontakt mit dem Zentrumspersonal erfolgt über das Telefon oder vielleicht auch per Video-/Web-Konferenz. Bislang war es in den meisten EU-Ländern nicht erlaubt, dass die Patientenakte kopiert wird, Patientendaten geschwärzt werden und dann an den Monitor gesendet werden. Die einzige Behörde, die dies bisher in Erwägung gezogen hat, war das MHRA. Dies hat sich mit der Version 3 der “Guidance on the Management of Clinical Trials during the COVID-19 (Coronavirus) Pandemic” vom 28. April 2020 geändert. Es wird nun zwischen „Off-site-Monitoring“ und Remote Monitoring unterschieden. D.h. für den Zeitraum der Pandemie wird das Remote Monitoring von kopierten Patientenakten (in denen Patientendaten geschwärzt wurden) oder (falls technisch möglich) Einsicht in die elektronische Patientenakte erwogen. Auch die Einsicht in die Patientenakte während einer Video- / Webkonferenz wird zum Remote Monitoring gezählt. Das Remote Monitoring sollte aber nur dann durchgeführt werden, wenn es sich um Klinische Prüfungen in der Indikation COVID-19 oder in schwerwiegenden oder lebensbedrohlichen Indikationen ohne Therapiealternative handelt, die kurz vor dem Datenbankschluss stehen (Guidance on the Management of Clinical Trials during the COVID-19 (Coronavirus) Pandemic, Version 3, 28 April 2020). Voraussetzung ist aber, dass dieses Vorgehen im Einklang steht mit nationalen Regularien (einschließlich zeitlich begrenzter Notfallregularien) und dass die Datenschutzrechte der Studienpatienten gewahrt bleiben.(Annex 1 der Guidance on the Management of Clinical Trials during the COVID-19 (Coronavirus) Pandemic, Version 3, 28 April 2020)

4. Zentralisiertes Monitoring

Unter Zentralisiertem Monitoring wird das Monitoring von elektronischen Daten, wie dem eCRF, elektronischen Laborreports des Zentrallabors, elektronischen Patiententagebüchern etc., verstanden. Normalerweise ergänzt das Zentralisierte Monitoring das Vor-Ort-Monitoring. Zu Zeiten der aktuellen Pandemie mit vorliegenden Reisebeschränkungen kann das Zentralisierte Monitoring das Vor-Ort-Monitoring aber auch, für eine begrenzte Zeit, ersetzen (unter Ergänzung der bereits vorgenannten Monitoringmöglichkeiten („Off-Site“ und Remote Monitoring).

 

Die ICH GCP Guideline E6 (R2) und auch die FDA (Guidance for Industry Oversight of Clinical Investigations – A Risk-based approach to Monitoring) empfehlen bereits die Kombination von Vor-Ort-Monitoring und Zentralisiertem Monitoring (5.18.3 Addendum der ICH GCP Guideline E6 (R2)), um die Effizienz und den Erfolg des Monitorings zu steigern. Zudem unterstützt das Zentralisierte Monitoring den Risikobasierten Ansatz des Monitorings.

Das Zentralisierte Monitoring ist somit keine Erfindung, der aktuellen Pandemie sondern wurde für viele Klinische Prüfungen bereits vorher eingeführt.

Nun stellt sich die Frage, was wir für die Zukunft aus der aktuellen Situation lernen können und ob nicht das Zentralisierte Monitoring das Vor-Ort Monitoring ersetzen kann, vor allen Dingen, weil das Zentralisierte Monitoring in Kombination mit dem „Off-Site Monitoring“ Kosten und Zeit spart (das Remote Monitoring, so wie es hier beschrieben ist, wird sich nach der Pandemie aus Datenschutzgründen sicherlich nicht durchsetzen).

Wir lernen zurzeit auf der einen Seite, wie wichtig die Implementierung von digitalen Prozessen ist und auf der anderen Seite sehen wir aber auch, dass es Themen gibt, bei denen wir nicht vollständig auf die Anwesenheit vor Ort verzichten können. Z.B. ist es für bestimmte Trainings des Zentrumspersonals geeigneter diese vor Ort durchzuführen (z.B. Trainings die Studienmedikation betreffend). Ein Wegfall des Vor-Ort-Monitorings wird es daher sicherlich nicht geben aber eine Reduktion dessen. Sinnvoll ist es zu Überprüfen ob das Zentralisierte Monitoring in eine Klinische Prüfungen implementiert werden kann, um dadurch das Vor-Ort Monitoring zu reduzieren und damit auch den Risiko-basierten Ansatz in Klinischen Prüfungen wahren zu können. Abhängig für die Einführung des Zentralisierten Monitorings sind ausreichende Fallzahlen (z.B. Anzahl der Studienpatienten). Weiterhin werden durch reduzierte Vor-Ort Monitoringbesuche Ressourcen freigesetzt, die dann wiederum für Aufgaben verwendet werden können, die eine hohe Datenqualität und die Sicherheit der Patienten gewährleisten können.

Zusätzlich ist ein weiterer Vorteil, dass beim Auftreten einer nächsten Pandemie oder eines Notfalls schnell auf ein Monitoring umgestellt werden kann, dass für einen begrenzten Zeitraum auf Vor-Ort Monitoring verzichten kann.

 

Alle Quellen wurden zuletzt am 21.05.2020 geöffnet:

https://ec.europa.eu/health/sites/health/files/files/eudralex/vol-10/guidanceclinicaltrials_covid19_en.pdf

https://www.fda.gov/media/116754/download

https://transceleratebiopharmainc.com/rbminteractiveguide/how-does-clinical-trial-site-monitoring-work-under-a-risk-based-monitoring-approach/the-transcelerate-model/